Phantastisches von GOGOL Pressestimmen
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Kieler Nachrichten vom 16.11.2007
>> Kieler Nachrichten vom 22.11.2007
>> NDR 1 Welle Nord Premierenbericht
„Tiefgucker“ mit skurrilem Humor.
Kiel – In seinen magischen Geschichten wird die Wirklichkeit zur Groteske: Nikolaj Wassiljewitsch Gogol (1809-1852). Der Schauspieler Dirk Schäfer widmet sich nach einigen gefeierten Chansonabenden nun dem russischen Dichter. Und gerät ins Schwärmen: „Ich habe eine besondere Neigung zum abgründigen, manchmal fast surrealen, oft selbstironischen Humor Gogols, zu dieser Verschmelzung von Tragischem und Komischen, wie ich sie auch in meinen Liederabenden suche. Gogol hatte die Bereitschaft, seine Themen so auf die Spitze zu treiben, dass er wirklich zu etwas Substantiellem gelangte.“
Zwei von Gogols Petersburger Erzählungen, Das Porträt und Die Nase, hat Dirk Schäfer für sein Solo bearbeitet (Regie: Ellen Dorn). Der erste Teil, ein Monodrama, in dem der Kieler Schauspieler als Erzähler fungiert, widmet sich der unheimlichen Geschichte um den talentierten Maler Tschartkow. Der ersteht ein Porträt, das die dunkelsten Seiten der Menschen hervorlockt. „In Gogols Erzählungen geht es oft darum, dass einer mehr scheinen will, als er ist“, so Schäfer. „Das bringt die Menschen in eine Schieflage. Freud kam zwar später, aber Gogol hat tiefenpsychologisch viel vorweggenommen, was sicher auch an seiner Biographie liegt.“ Der Dichter starb mit nur 42 Jahren, dem Wahnsinn verfallen.
Dennoch sind Gogols Geschichten für Dirk Schäfer weit mehr als nur „düster“ oder gar „dämonisch“: „Er hat die russische Literatur um das tiefe Gucken, aber auch um das Groteske, Skurrile erweitert.“ In der Erzählung Die Nase um den Major Kowaljow, dessen Riechorgan sich plötzlich selbstständig macht, kommt die Lust am Spielerischen noch deutlicher zum Ausdruck: „Da traut sich Gogol jede Absurdität. Für einen Schauspieler ein gefundenes Fressen, weil Gogol voller Lust Wirklichkeitsvorschläge entwirft und durchwandert. Und das machen wir Schauspieler ja schließlich auch.“
Den entscheidenden Anstoß, sich diesmal einen rein literarisch-theatralen Abend zu gestalten, gab im vergangenen Sommer Schäfers Lesung zu einer Gogol-Ausstellung des Künstlers Vladimir Sitnikov an der Kieler Uni. Auch zur jetzigen Premiere werden Sitnikovs freie graphische Interpretationen zu Das Porträt im Foyer des Kieler Schauspiels zu sehen sein. Auf die Herausforderung eines Monodramas freut sich Dirk Schäfer schon: „Das ist eine besonders intensive Kommunikation mit dem Publikum.“ Vor allem aber hat es ihm Gogol angetan: „Dostojewski hat über Gogol gesagt, alle russischen Schriftsteller seien aus seinem Mantel gekrochen. Er war mit seiner großen Gedankenkraft einfach seiner Zeit voraus.“
Von Beate Jänicke
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